Derwische aus dem Teig - Bodrumurlaub.com

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MIMOSA BÖREK EVI - BODRUM

Die Damen des Mimosa Börek Hauses an der Schnellstrasse in Bodrum

Erleuchtung an der D330

Abseits der ausgelatschten Pfade geht es auch in Bodrum noch sehr familiär zu. Ein kurzer Abstecher in das Bodrum der arbeitenden Bevölkerung genügt, um die ursprüngliche Türkei zu erleben. Und manchmal freut sich das Schicksal über solche spontanen Aktionen mit, und lässt die Derwische in der Backstube tanzen.

 

Die D330 ist der Puls der Stadt. Die vierspurige Lebensader, die Bodrum durchquert, beginnt im Landesinneren der Türkei und endet in Turgutreis. Der Abschnitt zwischen Bodrum und Turgutreis ist die Hauptversorgung der ganzen Halbinsel. Hier findet der Kommerz statt, sei es in Form von Großmärkten, Einkaufszentren oder auch Mc. Donalds.

 

Zudem sind am "Bodrum Turgutreis Yolu" viele Behörden angesiedelt, wie praktischerweise auch die Handelskammer; weiter Autohändler, Immobilienmakler und um beim Thema zu bleiben, Banken. Alles in allem: eine Straße auf der man nicht seinen Urlaub verbringen möchte.

Allerdings kann man ja gucken, wo das Volk frühstückt, oder Tee trinkt? Solcher Mut wird häufig belohnt, wissen wir aus Erfahrung, denn dort begegnet man Menschen, wie sie sind, und nicht wie sie gerne wären.

 

Der Captain ruft die lebendige Chefin herbei "Kundschaft, bring Tee". Der Mann mit der Mütze muss an diesem Platz seit Generationen sitzen: Zeitungen, Lieferscheine, Aschenbecher und Handys verraten, es muss der Stammtisch sein. Die Straße ist nur wenige Meter entfernt, da das Cafe jedoch in einer Senke liegt, ist es erstaunlich ruhig. Wer hätte das gedacht? Die Wirtin bringt Tee und lacht. Ein Ausländer bei uns, wer hätte das gedacht?

 

Eigentlich müssten wir längst beim Amphitheater sein. Aber die antike Stätte wartet bereits seit Jahrhunderten, ihr können einige weitere Minuten nichts anhaben.

 

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Ein junger Mann kommt aus der Backstube "komm mal mit". Backstuben sind immer spannend und im Orient ist es zudem eine Ehre ins Heiligtum geführt zu werden. Die Saunathemperatur öffnet sofort sämtliche Poren, sodass es schwierig ist, die Kamera ordentlich zu halten, außerdem tropft der Schweiß auf das Gehäuse.

 

Vor uns liegen Teigfladen und allerlei Zubehör, mit dem nur Experten etwas anzufangen wissen. Azmi Turhan kommt gleich zur Sache, rollt den Teig wirklich hauchdünn aus, dann verteilt er Kartoffelstücke und formt aus dem Teig eine Schlange, die er nun noch zusammenlegt, fertig. Es ging alles viel zu schnell, und die Kamera löste obendrein nicht aus. Wobei man ihr das nicht übel nehmen kann, schließlich wurde sie nicht für Saunadokumentationen konzipiert.

Macht nichts. Das Ganze nochmal. Der Bäcker ist geduldig und spielt mit dem Teig, während die Kamera neu justiert wird, und plötzlich schwingt er den Teig über sein Haupt, dass dieser immer elastischer und größer wird und dann begann der dünne Fladen sich selbst im Raum zu bewegen, Azmi, was zu deutsch "fest entschlossen" bedeutet, zieht an den Enden des Mehlgebildes und der Rest beginnt wild zu tanzen.

 

Und plötzlich löst die Kamera von selbst aus. Ein bemerkenswerter Moment, der uns tief ergriff. Unvorhersehbar und unbezahlbar. Für einen kurzen Moment war die D330 in Konya, wo die Derwische sich nach getaner Arbeit in den Rausch schwingen. Wunderbar und wundersam zugleich.

 

Wir bleiben auf einen weiteren Tee. Dem Bäcker war der Trubel nun doch etwas peinlich und bleibt in der Stube bei seinem Teig. Die Betreiberin des "Mimoza Börek Evi" lacht immernoch und Captan sitzt nach wie vor dort, wo er immer sitzt.

Sollten Sie mal auf der Hauptstraße zu tun haben, besuchen Sie das Cafe. Das ganze Gebäck in der Auslage wird täglich frisch gemacht – hier essen in der Regel nur Arbeiten und Beamte. Das Frühstück ist sehr beliebt, genauso wie der Mokka, dem hier besonders viel Zeit gewidmet wird.

Fragen Sie ruhig nach der Backstube, den Derwischen, oder sagen Sie irgendwas mit "deutschem Bodrum Magazin". Vielleicht lässt Azmi auch für Sie die Derwische tanzen.

Das Mimoza Börek Haus befindet sich gegenüber des Chamber of Commerce.