Mausoleum - Bodrumurlaub.com

Partner

TR24.today

media24.org

Fabalista

Mausoleum von Halikarnassos

Mausoleum des karischen Königs in Bodrum, dem ehemaligen Halikarnassos

Das Mausoleum in Bodrum

Eines der sieben Weltwunder der Antike steht in Bodrum. Das Mausoleum von Halikarnassos ist der ganze Stolz der Stadt und diesen Trümmern ist es vermutlich auch zu verdanken, dass sich Japaner an die türkische Ägäis wagen. Einen Besuch ist es wert, dann ist aber auch schon gut.


"Schwierig" sei es, meint Kenan, der Kameramann eines türkischen TV Senders, durch die Abbilder einer antiken Baustelle, deren Wichtigkeit zu transportieren. In der Tat.

Es ist April, als wir das Weltwunder begehen, sonnig, aber nicht heiß, sagenhaft schönes Wetter. Das Frühjahr ist die beste Jahreszeit um Bodrum zu erkunden, das wissen viele, allerdings kommen nur sehr wenige Menschen. Und so stehen wir, wie auch das Filmteam und einige Japaner inmitten des Weltwunders und wundern uns.

Auf einem Friedhof kämen wir nicht auf die Idee das Frühstück auszupacken, doch wenn Grabmäler älter als 2000 Jahre sind, geht das schon. Vor allem in der Türkei, wo die Menschen in Essensangelegenheiten sehr pragmatisch eingestellt sind. Ein alter Eisentisch mit acht Stühlen, nah am Brunnen, lädt geradezu ein für ein Kahvalti, mit Schafskäse, Tomaten, jungen Zwiebelschoten, Oliven und frischer Landbutter.

Um diese Jahreszeit ist lediglich ein Wächter anwesend. Er freut sich, dass Leute die praktischen Aspekte eines Weltwunders nutzen, schließt das Wachhäuschen ab, und gesellt sich zu uns. Er berichtet, was wir längst wissen, da wir uns in die Materie eingelesen haben, aber seine Stimme verleiht der Geschichte mehr Tragweite. Wir lassen uns in solchen Dingen sehr gerne belehren und der Beschützer der alten Trümmer freut sich über die horchenden Schüler. Es ist zweifelsohne sein Monument, oder was davon noch übrig ist. "Hervorrangende Butter", meint er, bevor er wieder ausholt.

Das wir hier versammelt sind, samt den Besuchern aus Asien verdanken wir der Tatsache, dass Halikarnassos, also das heutige Bodrum, die Hauptstadt Kariens war.

fundament-mausoleum_7070
halikarnassos-mausoleum_7062
halikarnos-mausoleum_7061
hohlen-turkbuku_9244
mausoleum-bodrum_7025
mausoleum-bodrum_7046
mausoleum-bodrum_7051
mausoleum-bodrum_7058
mausoleum-bodrum_7073
mausoleum-filmteam_7045
mausoleum-gang_7081
mausoleum-halikarnassos_7026
mausoleum-innenhof_7034
mausoleum-modell_7028
reste-mausoleum-bodrum_7065
steinquader-mausoleum_7031
stop 
01/16 bwd start fwd

Karien wurde erstmals zwischen 1800 und 1200 v. Chr. in alten assyrischen und hethitischen Texten als Karkissa erwähnt. Danach erwähnte Homer die Karer. Nach einer griechischen Beschreibung aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. wanderten diese von den Ionischen Inseln aus in Kleinasien ein. Die Karer selbst bezeichneten sich hingegen als alteingesessene Einwohner, was auch Homer bestätigte. Linguistische Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die karische Sprache mit dem Hethitischen verwandt war und deshalb die Einwanderung aus dem Landesinneren gekommen sein musste.

Zwischen 1200 und 800 v. Chr. wanderten vermehrt Griechen ein und vermengten sich mit den einheimischen Karern, woraus eine Mischkultur entstand. Wenig später geriet die Region unter die Kontrolle des lydischen Königs Alyattes, bevor sie um 547/46 v. Chr. an das Achämenidenreich fiel.

In diesem war es fast immer relativ unabhängig integriert. Die Verwaltungshauptstadt der Satrapie wurde Halikarnassos. Zwischen 469/466 und 412 v. Chr. war ein Teil des Landes von den Griechen besetzt, bevor die persische Oberhoheit wiederhergestellt wurde. Im vierten Jahrhundert konnte die Dynastie der Hekatomniden relative Selbständigkeit wahren und unter Hekatomnos' jüngstem Sohn Pixodaros ihren Einfluss schließlich sogar nach Lykien ausdehnen. Im Jahre 334 v. Chr. wurde die Region von Alexander dem Großen erneut erobert. Nach dessen Tod wechselte sie in den Kriegen zwischen den Diadochenreichen oft den Herrscher, bis sie schließlich in den Jahren zwischen 129 und 42 v. Chr. sukzessive an das Römische Reich fiel.

Einer der karischen Könige hieß Maussolos. Er führte Karien im 4. Jahrhundert vor Christus und zeichnete sich dadurch aus, dass er sowohl die einheimische anatolisch-karische Kultur förderte, als auch die griechische Literatur und Kunst. Bodrum hat dem karischen König sehr viel zu verdanken, denn Maussolos erkor Halikarnassos zur neuen Hauptstadt des Königreiches und damit wurde Milas abgelöst (und vielleicht auch erlöst). Halikarnassos geriet später wieder in Vergessenheit, bis es im Grunde vom "Fischer von Halikarnassos" wieder entdeckt, bzw. belebt wurde. Wie unterschiedlich Heroen doch sein können?

Maussolos plante das Denkmal, starb jedoch noch vor der Fertigstellung. Den Rest erledigte seine Schwester Artemisia, mit der er auch verheiratet war. Die Liebe zu ihrem Bruder soll so groß gewesen sein, dass sie seine noch heiße Asche mit Wein mischte und trank und wir können froh sein, dass dieser Cocktail nicht den Weg auf die Speisekarten der heutigen Strand Bars fand.

Die Witwe Artemisia übernehm die Regierungsgeschäfte und herrschte bis 351 v. Chr. erfolgreich über Karien und Rhodos. Der Begriff Mausoleum wurde zum Synonym für prächtige Grabmäler und es war sicher berechtigt, dass das Mausoleum von Halikarnassos zu den sieben Weltwundern der Antike zählte. Heute ist davon allerdings nicht mehr viel zu sehen, außer das Fundament, und sorgfältig geordnete Trümmer, denn es gab ein schweres Erdbeben, welches das Plateau inmitten der Stadt wieder in den Urzustand versetzte.

Es ist anzunehmen, dass das Baumaterial in zahlreichen benachbarten Privathäusern eingesetzt wurde und falls Sie ein Haus in Bodrum erwerben, kommen Sie besser nicht auf die Idee zu tief zu buddeln, denn werden Sie fündig, wird das Grundstück versiegelt. Ja, ganz im Ernst. Vielleicht gehen Sie dann zwar in die Geschichtsbücher ein, aber das Haus sind Sie los.

Schwierig ist es in der Tat, Reste von Grundmauern und ein Fundament zu beschreiben. Hier haben Sie nun einen kleinen Rahmen und wenn die Fotos, die wir nicht kommentieren, weitere Fragen aufwerfen, ist dies ein Grund mehr das Mausoleum zu besuchen, denn auch die Trümmer sind imposant, aber es sind eben nur Trümmer. Wobei das Museum auch Pläne und Rekonstruktionen ausstellt, ebenso finden Sie dort ein anschauliches Modell.

Im Sommer wird die Grabstätte selbstverständlich stark frequentiert, trotz der atemraubenden Temperaturen. Im Frühjahr hingegen ist es ein wunderbarer Ausflug aus der mondänen Bodrumer Shopping- und Badewelt. Vielleicht bringen Sie sogar Ihr Frühstück und eine Decke mit, falls der Eisentisch besetzt sein sollte. Vergessen Sie nicht den Wärter einzuladen. Er spricht zwar fast kein Englisch, aber seine Geschichten und Anekdoten hören sich auch auf Türkisch ganz toll an und wenn Sie nichts verstehen, genießen Sie das Frühstück. Die beste Landbutter gibt es im Übrigen in und um Milas.